1.3.5. Keulen-Charakteristik

Bei noch stärkeren Richtwirkungen kommt das Interferenzrohr zum Einsatz. Vor dem eigentlichen (Druckempfänger-)Mikrofon wird ein Rohr mit seitlichen Öffnungen platziert. Kommt der Schall direkt von vorne, durchläuft der Schall das Rohr und kann auf die Membran auftreffen und es wird ein Ausgangssignal generiert.

Bei seitlichem Schall wird dieser auf verschiedenen Wegen durch das Rohr geleitet. Der Schall, der nah an der Kapsel in das Rohr gelangt, trifft früher auf die Membran als der Schall, der das komplette Rohr passieren muss.

Beträgt der Weg-Unterschied eine halbe Wellenlänge, überlagern sich die positive und die negative Halbwelle und löschen sich gegenseitig aus. Die Membran bleibt in Ruhe und es ergibt sich kein Ausgansgsignal.

Die Länge des Rohres ist demnach ausschlaggebend für die untere Grenzfrequenz, die stark gerichtet aufgenommen wird. Übertrifft die halbe Wellenlänge die Länge des Rohrs, wird die extreme Richtwirkung erweitert und führt zu einer Art Superniere.

Am Beispiel des VP89 ist dies gut zu sehen. Hier nimmt die Richtwirkung bei den tiefen Frequenzen je nach Länge des Rohrs zu.

Das längste Rohr des VP89 misst 38 cm, damit ergibt sich eine untere Grenzfrequenz von:

Die Wellenlänge muss die doppelte der Rohrlänge betragen – also:

Die seitlichen Löcher sind so abgestimmt, dass ein Lochpaar immer für ein Terzband steht. So kann die extreme Richtwirkung für einen weiteren Frequenzbereich gewährleistet werden.

Links (shure.de):


In diesem Kurs:

  • 1. Aufbau von Mikrofonen
1.1. Konstruktionsprinzipien
  1.1.1. Druckempfänger
  1.1.2. Druckgradienten-Empfänger
  1.1.3. Nahbesprechung
1.2. Wandlertypen
  1.2.1. Elektrodynamisches Prinzip
    1.2.1.1. Bändchenmikrofon
    1.2.1.2. Tauchspulenmikrofon
  1.2.2. Elektrostatisches Prinzip
    1.2.2.1. Kondensatormikrofon
      1.2.2.1.1. Berechnung
      1.2.2.1.2. Funktionsweise & Phantomspannung
    1.2.2.2. Elektret
  1.2.3. Unterschiede & Klangvergleich
1.3. Richtcharakteristik
  1.3.1. Kugel
  1.3.2. Niere
  1.3.3. Superniere
  1.3.4. Acht
  1.3.5. Keule
  1.3.6. Übersicht: Richtcharakteristiken
1.4. Frequenzgang
  • 2. Spezielle Mikrofontypen
  • 3. Stereophonie