1.1.3. Nahbesprechung

Bei allen Druckgradienten-Mikrofonen tritt ein Nahbesprechungseffekt auf. Das bedeutet: Je näher das Mikrofon der Schallquelle gebracht wird, desto stärker werden die tiefen Frequenzen angehoben.

Dies hängt mit dem Fern- bzw. Nahfeld einer Schallwelle zusammen.

Anmerkung: Der Nahbesprechungseffekt tritt nicht bei Druckempfängern auf.


Entstehung des Nahbesprechungseffekt: das Nah- und Fernfeld

Vereinfacht gesehen hat eine Schallquelle eine kreisrunde Abstrahlung. Die Wellenfronten weisen eine stark gekrümmte Wellenfront auf. Je weiter sich die Schallwelle von der Quelle entfernt, desto gerader werden die Wellenfronten.

Das Nahfeld ist gekennzeichnet durch stark gekrümmte Wellenfronten, das Fernfeld durch (annähernd) gerade Wellenfronten. Die Ausbreitung der Schallwellen ist frequenzabhängig. Das Nahfeld ist etwa 1 – 2 Wellenlängen groß, das Fernfeld beginnt ab etwa 10 Wellenlängen.

Nach dieser Faustformel ist das Nahfeld bei 100 Hz etwa 5 m lang und das Fernfeld beginnt ab ca. 30 m Abstand von der Schallquelle. Dahingegen ist das Nahfeld bei 10 kHz gerade mal wenige cm groß und das Fernfeld beginnt ab etwa 30 cm Abstand.

Je tiefer die Frequenzen, desto größer ist das Nahfeld ausgeprägt.


Entstehung des Nahbesprechungseffekts: Druckgradient im Nah- und Fernfeld

Setzten wir ein Druckgradientenmikrofon einem Fernfeld aus, so treffen die Wellenfronten eben auf. Das heißt, dass allein die akustischen Laufzeitglieder die Phasenverschiebung – und damit den Druckunterschied - erzeugen.

Wird das Druckgradientenempfänger in einem Nahfeld positioniert, so treffen die Wellenfronten stark gekrümmt auf das Mikrofon. Das bedeutet, dass die Welle, die durch die Laufzeitglieder auf die Rückseite der Membran gelangt, eine zusätzliche Wegstrecke zurücklegen muss. Dadurch wird die Phasenverschiebung vergrößert und dadurch auch der Druckunterschied.

Ein Druckgradientenempfänger liefert also im Nahfeld einen höheren Ausgangspegel als im Fernfeld. Da das Nahfeld zu tieferen Frequenzen hin wächst, werden die tiefen Frequenzen überproportional angehoben, je näher der Druckgradientenempfänger an die Schallquelle heran gebracht wird.



In diesem Kurs:

  • 1. Aufbau von Mikrofonen
1.1. Konstruktionsprinzipien
  1.1.1. Druckempfänger
  1.1.2. Druckgradienten-Empfänger
  1.1.3. Nahbesprechung
1.2. Wandlertypen
  1.2.1. Elektrodynamisches Prinzip
    1.2.1.1. Bändchenmikrofon
    1.2.1.2. Tauchspulenmikrofon
  1.2.2. Elektrostatisches Prinzip
    1.2.2.1. Kondensatormikrofon
      1.2.2.1.1. Berechnung
      1.2.2.1.2. Funktionsweise & Phantomspannung
    1.2.2.2. Elektret
  1.2.3. Unterschiede & Klangvergleich
1.3. Richtcharakteristik
  1.3.1. Kugel
  1.3.2. Niere
  1.3.3. Superniere
  1.3.4. Acht
  1.3.5. Keule
  1.3.6. Übersicht: Richtcharakteristiken
1.4. Frequenzgang
  • 2. Spezielle Mikrofontypen
  • 3. Stereophonie