1.1.2. Druckgradienten-Empfänger

Der Druckgradientenempfänger „misst“ den Druckgradient – also den Druckunterschied zwischen vor der Membran und hinter der Membran. Deshalb trifft der Schall nicht nur von vorne auf die Membran wie beim Druckempfänger, sondern auch über so genannte akustische Laufzeitglieder von hinten auf die Membran. Daher ist die Mikrofonkapsel auch an der Seite schalldurchlässig.

Die Schallwelle trifft also von vorne auf die Membran und von hinten. Der Schall, der von hinten auf die Membran auftrifft, wird durch die akustischen Laufzeitglieder verzögert und kommt demnach später an der Membran an. Dadurch ergibt sich eine Phasenverschiebung von vorderer Schallwelle zu hinterer Schallwelle. Diese Phasenverschiebung hat einen Druckunterschied zur Folge.

Trifft der Schall direkt von vorne auf die Membran mit der positiven Halbwelle und der verzögerte Schal von hinten gerade mit der negativen Halbwelle, so drückt der Schall von außen die Membran nach innen und der Schall von hinten zieht die Membran nach innen. Dies hat eine maximale Auslenkung der Membran zu Folge – und damit die maximale Empfindlichkeit.

Treffen die beiden Schallwellen in Phase auf die Membran, so existiert kein Druckunterschied. D. h. der Schall von vorne versucht, die Membran nach innen zu drücken. Der Schall von hinten versucht genauso, die Membran nach außen zu drücken. Beide Einwirkungen heben sich gegenseitig auf und die Membran bleibt in Ruhe.



In diesem Kurs:

  • 1. Aufbau von Mikrofonen
1.1. Konstruktionsprinzipien
  1.1.1. Druckempfänger
  1.1.2. Druckgradienten-Empfänger
  1.1.3. Nahbesprechung
1.2. Wandlertypen
  1.2.1. Elektrodynamisches Prinzip
    1.2.1.1. Bändchenmikrofon
    1.2.1.2. Tauchspulenmikrofon
  1.2.2. Elektrostatisches Prinzip
    1.2.2.1. Kondensatormikrofon
      1.2.2.1.1. Berechnung
      1.2.2.1.2. Funktionsweise & Phantomspannung
    1.2.2.2. Elektret
  1.2.3. Unterschiede & Klangvergleich
1.3. Richtcharakteristik
  1.3.1. Kugel
  1.3.2. Niere
  1.3.3. Superniere
  1.3.4. Acht
  1.3.5. Keule
  1.3.6. Übersicht: Richtcharakteristiken
1.4. Frequenzgang
  • 2. Spezielle Mikrofontypen
  • 3. Stereophonie